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Gesetze als Denksportaufgaben

Jörg Zehetner

Jörg Zehetner

© KWR/Hannes Friesenegger











JÖRG ZEHETNER
ist Anwalt, Professor und
einer der wichtigsten
Autoren bei MANZ – privat
ist er gerne in den Bergen
und auf Bällen unterwegs.


Im August ist die Wiener Innenstadt von Touristen bevölkert, auf der Rotenturmstraße bahnen sich Kolonnen den Weg Richtung Stephansdom. Wer in den Fleischmarkt abbiegt und im ersten Haus verschwindet, findet sich in einer Oase wieder. „Die Innenarchitektin hat uns dieses helle Grün empfohlen“, sagt Jörg Zehetner bei der Begrüßung. Er ist Mitbegründer der Kanzlei KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte und seit 2000 als Wirtschaftsanwalt tätig. Warum er nicht wie viele andere bei der Gluthitze aus der Stadt geflohen ist, hat einen praktischen Grund. Er arbeitet für MANZ gerade an der Neuauflage des Handbuchs zum Privatrecht und führt damit das Werk seines Mentors Heinz Krejci fort, der im März 2017 verstarb. Davor hatte Zehetner die Kommentierungen zum AktG, GmbHG und UGB abgeschlossen.

Im Sommer hat der Wirtschaftsanwalt Zeit. Statt eines Anzugs trägt er ein sportliches Poloshirt. Seine Kindheit? „Wir sind am Land aufgewachsen, mit Tieren, Fußball und viel Freiheit“, sagt der 1969 in Amstetten geborene Sohn eines Beamten und einer Buchhändlerin. Die Schule hatte kaum Priorität, „Notenschluss war immer hart, trotzdem habe ich nie eine Klasse wiederholt“, sagt er stolz. Mit 13 Jahren wollte er Politiker werden, mit 16 Manager, nach der Matura inskribierte er 1987 sowohl an der juristischen Fakultät als auch an der Wirtschaftsuniversität. „Im Studium hatte ich keine einzige negative Note mehr, es hat mich alles richtig interessiert.“

Als „Denksportaufgabe“ bezeichnet er das Lösen juristischer Probleme. Dafür hat er Talent. 1995 holte ihn Heinz Krejci als Assistent ans Institut für Handels- und Wertpapierrecht und bestärkte ihn, vorzutragen und zu publizieren. Seine beiden Studien schloss er jeweils mit einem Doktorrat ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits drei Bücher mitverfasst, das erste war ein Lehrbuch zur Rechnungslegung bei MANZ. Eine akademische Laufbahn schien vorgezeichnet, doch „ich wollte mir ansehen, wie es als Anwalt so ist“, erinnert er sich. 1996 begann er als Rechtsanwaltsanwärter bei Strommer/Reich-Rohrwig/Karasek/Hainz – „und konnte mir nicht mehr vorstellen, nur für die Uni zu arbeiten.“

Heute macht Zehetner beides. Seine rege Publikations- und Lehrtätigkeit hat ihn nie den Kontakt zur Wissenschaft verlieren lassen. „Der große Vorteil ist, dass man sich mit aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen muss, sie strukturiert und dann in der Beratung von Klienten nutzen kann“, sagt er.

Zehetner geht es immer auch darum, seinen Studierenden die Kernaussage eines Gesetzes zu vermitteln. Seine Fähigkeit, Komplexes zu abstrahieren, hat ihn auch zum Ratgeber für die Politik gemacht. „Man wird demütiger,
wenn man mitbekommt, wie viele Interessen im Zuge eines Gesetzwerdungsprozesses zu berücksichtigen sind, und welche Herausforderung die Formulierungen sind“, sagt er. „Als Unternehmer in Österreich tätig zu sein, ist wirklich nicht leicht“, sagt er und findet, dass die Gesetzesflut für diejenigen, die sie anwenden sollen, eigentlich kaum mehr überblickbar ist. Einsichten in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge bekommt der Anwalt auch von seinem Bruder Ulf, der als Steuerberater bei der KPMG tätig ist – die Brüder haben auch schon gemeinsam publiziert.

Juristisches und betriebswirtschaftliches Denken: Das sind Jörg Zehetners Kernkompetenzen. In seiner anwaltlichen Praxis ist er auf Gesellschafts- und Kartellrecht spezialisiert, „und auf alle schwierigen, komplizierten
Causen, für die es keine ausgetretenen Pfade gibt“, lacht er.

Seine Unterrichtstätigkeit an der Universität Salzburg – Zehetner ist seit 2011 dort Honorarprofessor – ist aber auch in anderer Hinsicht wichtig: Er macht gerne Sport in der Natur. Von Oktober bis Mai sind die Schi immer im Kofferraum. Letzten Winter brachte er es auf 28 Schitage. Als Besitzer einer Saisonkarte fürs Salzburgerland weiß er, dass sich diese Investition schon bei 15 Schitagen gerechnet hätte, „ich kann nicht anders, als auch in solchen Fragen betriebswirtschaftlich zu denken“, lacht er, der als passionierter Bergsteiger kürzlich sowohl den Großglockner als auch den Kilimandscharo erklommen hat.

Obwohl Jörg Zehetner viel beschäftigt ist, reist er gerne. Wenn er nicht so viel arbeiten würde, sagt er, wäre er mehr unterwegs. „Idealerweise im Herbst, um die Schi- und die Ballsaison nicht zu verpassen“, lacht er. Zehetner geht nämlich gerne auf Bälle – künftig kann er dort auch das Goldene Ehrenzeichen der Republik, das ihm unlängst verliehen wurde, ausführen.

Karin Pollack